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aus dem kopf... 4. Die Gefangennahme

(Finstre Bühne.)

Quirie:

Ist was? Also gut. Wer hat dir was getan? Ich mach ihn tot!

Krümel. Ich back dir eine Torte aus dem - pürrier ihn - und übergeb den Eintopf feierlich dem Müll!

Krümel:

Du mich auch.

Quirie:

Sei nicht so! Ich muss sonst schreien!

(Er schreit.)

Quirie:

Du lachst ja schon wieder!

(Sie dreht sich ab.)

Quirie:

Weiß auch nicht, wer auf diese Welt geschissen hat. Jedenfalls könnte ein Mensch reihern, wohin er tritt. - muss man eben reihern. --

Morgen machen wir einen Ausflug für dich, ja? An der See ist es schön feucht. Und in den Bergen ist es auch kalt. Wohin möchtest du? Ich habe überall Freunde.

Krümel:

Warum willst du gar nichts von mir wissen?

Quirie:

Was? -- Du bist eine von uns. Reicht das nicht?

Krümel:

Nein, das reicht nicht.

Quirie:

Nicht. Gut. Dann erzähl mir was.

Krümel:

Du musst fragen!

Quirie:

Tja. Wie alt bist du denn so, ...ich meine, warum ziehst du denn so alleine rum? Hast du keine Freunde?

Krümel:

Nein. Freunde habe ich keine.

Quirie:

Und sonst, ich meine...

Krümel:

Sie haben meine Schwestern geholt. Niemand hat ihnen geholfen.

Quirie:

Wir sind noch zu schwach.

Krümel:

Sie haben geschrien und geschlagen. Es wurde leise, dann. Weißt du, wie leise es manchmal werden kann?

Quirie:

Ja. Nicht so genau. Aber ziemlich leise, glaube ich.

Krümel:

Ja, ziemlich leise kann's werden.

Quirie:

Dann ist es gut, nicht alleine sein.

Krümel:

Wenn es leise wird, sind sie bei mir.

Quirie:

Wer?

Krümel:

Meine Schwestern. Manchmal singen sie ein Lied für mich. Und sie streicheln mich, und sie sagen, dass sie wiederkommen, und ich sage dann, dass ich warte, dass ich auf sie warte, und sie sagen, bist du nicht einsam, Kleine?

Und ich sage, nein, ich sage, ich bin doch nicht einsam, weil ich euch ja habe.

Und wenn ich weine, dann küssen sie mich, weil sie traurig werden, wenn ich weine.

Quirie:

-- Du hast sie sehr lieb, deine Schwestern, nicht wahr?

Krümel:

Ja.

Quirie:

Schon, verstehe.

Krümel:

Ich werde sie eines Tages befreien.

Quirie:

Jaja, das ist sicher kein Problem. (Räuspert sich.) Naja, ich meine, die Fabriken sind soweit ganz gut bewacht.

Krümel:

Es ist noch nie jemand von dort zurück gekommen.

Quirie:

Nein, das nicht. -- Das muss ja nichts heißen. Das ist ja... Und wieso sollten deine Schwestern nicht die ersten sein?

Krümel:

Ich brauche viel Geduld. Die, die viele Feinde haben, müssen sehr klug sein.

Quirie:

Ja, klug muss man sein. Und stark. Wir brauchen Waffen.

(Er holt sein Messer raus.)

Quirie:

Das ist klein. Aber spitz. Wenn wir kämpfen, werden wir stärker. Verstehst du? Jeder verlorene Kampf ist besser, als ein nicht begonnener.

Wir sind wenige, aber wir werden mehr, und eines Tages, da wird ein rohes, junges Volk die Mauern des Inneren Bereiches brechen, und es wird die Bonzen an die Schalthebel der Macht hängen, bis sie zappeln, und es wird die Fleischtöpfe in seine blechernen Schüsseln teilen, und es wird arbeiten und bauern, das Volk, und das wird dauern die erste Nacht der Freiheit und der Liebe, und die Feuer der Revolution werden brennen in allen Ecken und Enden dieser verdammten Paläste, erbaut aus unserem Schweiß, unserem Blut, erbaut von unsern jahrtausende zerbrochenen Händen, bis sich über unsre keuchenden Körper endlich der Morgen, die Sonne des ersten freien Tags erhebt und mit ihren Strahlen grinst ins verkaterte Glück der erwachenden Menschen.

Und wir werden das noch erleben, Krümel, du und ich und ... Nelke.

Krümel:

Du hast sie lieb, Nelke?

Quirie:

Blöde Kuh! Die hat es doch gar nicht verdient. Hast du gesehen, wie die mich behandelt?

Krümel:

Weil die dich liebt.

Quirie:

Die denkt bloß an sich.

Krümel:

Die denkt jetzt bloß an dich.

Quirie:

Meinst du?

Krümel:

Mhm.

(Sie kuschelt sich in seinen Schoß.)

Quirie:

Ja, schlaf, das wird dir gut tun.

Krümel:

Nein! Nicht schlafen! Wir dürfen nicht schlafen! Weißt du gar nichts?

Quirie:

Doch: a, b, c, ähm, n? - Die Schule war immer gerade zu, als ich hin kam.

Krümel:

Wenn sie uns holen!

Quirie:

Wer soll uns hier holen? Den Ort kennen nur Nelke und ich. Wir sind immer hierher, wenn wir alleine sein wollten...

Schon gut, ich wache, dass du dich nicht fürchten brauchst.

Weißt du, warum ich dich mag? Weil du so ernst bist.

(Er singt.)

das traurigste Schlaflied für das traurigste Mädchen, das er kennt

Wenn dich der Atem dieser Welt

zu grauem Eis gefrieren läßt,

und wenn der Krebs der Zeit sich kalt

in deine weichen Seiten frißt...

Wenn der Mond, die bleiche Sichel,

den Alp in deine Träume ritzt,

und wenn in deinem Hinterstübchen

du dein eignes Blut verspritzt...

Wenn Schweineköpfe gierig lecken

am Saft, der deine Wunden näßt,

und wenn nach deinem letzten Mut

dich auch noch deine Wut verläßt...

Wenn du am Ast sägst, drauf du sitzt,

und, Menschenskind, zu guterletzt

dir in den eignen Daumen ritzt,

Dann wird, vom Tränensalz noch krustig,

das nimmermüde Kind, das Du,

das Ich, das Kleine trotzig lustig -

Und du lutschst am Daumen dir,

und grinst gefährlich aus der Wäsche:

"Ich bin ja noch immer hier!

Wird Zeit, dass ich mal wieder was

abscheulich süßliches vernasche!"

Heh, wer grinst denn da so aus der Asche?

Quirie:

Warum müssen die Menschen unglücklich sein?

(Quirie legt seinen Kopf auf die Schlafende. Auch er schläft ein. Sein Messer neben sich. Auf treten die beiden Soldaten.)

Bresel:

Da sind die beiden.

Büddel:

Die sehen glücklich aus.

Bresel:

Alles Einbildung. Also los. Ist schon spät.

(Die Soldaten packen sich die beiden und schleifen sie in Säcken fort. Krümel kann noch das Messer retten.)

Black.

 

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