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aus dem kopf... 2. Quirie, Nelke und der Krümel

(Das Licht wechselt, ein Mädchen tritt auf und nestelt sich im Müll ein Nest, eine Puppe. Singsang.)

Krümel:

Do do do do ...

Die Vögel entfliehen den Wäldern,

Die Bäurinnen ihren Feldern.

Und über alles wächst Glas.

Törichtes Kind, geh nie allein,

sonst wirst du des Teufels Beute sein.

Und über alles wächst Glas.

Der Wahn schnitzt sein Kristall,

In meinen Adern stockt mein Blut,

Und über alles wächst das Glas,

wächst Glas, wächst Glas ...

-- Do do do do ...

(Sie hört jemand kommen und kauert sich in ihr Nest. Nelke tritt auf. Im folgenden versucht sie, dem Müll eine Eleganz anzugestalten. Dann tritt sie wieder alles auseinander...)

Nelke:

Hier stinkt's.

Nie wieder! Ich lass mich nie wieder mit einem Helden ein. Sie lassen dich alleine, und du kannst warten. Warten, warten, warten.

Und wenn du Glück hast, siehst du ihn nochmal wieder. Verschrammt, verbeult, verbraucht. Legt sich stöhnend in deine Arme, "Oh, oh, es war so schwer, so hart...", bis du ihn aufgepeppelt hast.

Und schon ist er wieder unterwegs. Nie mehr. Quirie?

(Quirie, verschrammt, verbeult... Hält ihr die Augen zu.)

Nelke:

Küss mich!

Quirie:

Gibt's hier Pflaster?

Nelke:

Komm, küss mich.

Quirie:

Es war diesmal ziemlich schwer, verdammt hart.

Nelke:

Wo warst du?

Quirie:

Ich hab einen Spiegel gefunden.

Nelke:

Lass das! Ich bin seit Tagen nicht gewaschen noch geschminkt.

Quirie:

Ist doch hübsch. Mit bischen Schmutz sieht ein Mensch immer gleich viel brauner aus. Und so gesund!

Nelke:

Findest Du? Ich will nicht mehr immer woanders sein. Nicht immerzu weglaufen.

Ich will ein Zimmer und eine Heizung und ein Bett. Und eine Dusche.

Quirie:

Dann kriegen sie uns sofort!

Nelke:

Hör endlich auf. Wer soll uns kriegen?

Quirie:

Die Armbanduhren.

Die karierten Halskrausen und am Ende die Sonntagmorgeneier im Bademantel!

Du weißt, wen ich meine.

Nelke:

Schlimmer als so kann das nicht sein. Ich bin müde.

Quirie:

Außerdem haben wir kein Geld.

Nelke:

Wie solln wir auch, wo wir immer nur abhauen!

Quirie:

Nelke, ich habe keine Lust, in deren Fabriken zu schaffen.

Nelke:

Das meine ich nicht. Es muss etwas dazwischen geben.

Quirie:

Büros.

Nelke:

Du hast es nie probiert.

Quirie:

Du bist denen damals abgehauen. Weil du wusstest, was da auf dich zukommt.

Nelke:

Und weil ich nicht wusste, was hier auf mich zukommt.

Quirie:

Ich zum Beispiel!

Nelke:

Du...

(Sie küssen sich.)

Nelke:

Ich will mitkommen. Ab jetzt will ich mit euch kämpfen. Mit dir.

Quirie:

Das geht nicht.

Nelke:

Und wie das geht! Eine mehr geht's schneller.

Quirie:

(Er holt sein Messer raus.)

Das ist kein Spiel. Das ist gefährlich!

Nelke:

Ich werde es lernen.

Quirie:

Es geht nicht, Nelke.

Nelke:

Was du kannst, kann ich auch.

Quirie:

Darum geht es nicht!

Nelke:

Ach, worum geht es dann?

Quirie:

Müssen wir uns immer streiten?

Nelke:

Du nimmst mich nicht ernst? Weil ich Frau bin? Alles Männersache?

(Sie grabscht sich sein Messer und hält es ihm an den Hals...)

Quirie:

Es ist...

Nelke:

Was?

Quirie:

Es ist, meine Leute, das musst du verstehen, das geht nicht gegen dich persönlich...

Nelke:

Was ist mit Deinen Leuten?

Quirie:

Nelke, lass uns aufhören.

Nelke:

Na los, sag schon! Weil ich vom Inneren komme, sag's doch, Feigling!

Deine feinen Freunde wolln mich nicht, weil ich vom Inneren Bereich komme!

Quirie:

Das ist ein Beschluss, wir haben darüber lange diskutiert...

Nelke:

Scheiße habt ihr diskutiert! Ja, ich bin vom Inneren! Und?

Den möchte ich sehen, von deinen Heldensöhnchen, der wie ich da abgehauen wär!

Scheiß auf deine tollen Freunde! Ihr seid genauso bornierte Spießer, wie die drinnen!

(Sie wirft das Messer weg, irgendwann holt es sich Quirie wieder.)

Quirie:

Es kann uns alle Welt hören.

Nelke:

Soll sie doch! Soll sie uns doch hören, deine schöne Äußere Welt!

Quirie:

Hier. Schenk ich dir.

(Hält ihr den Spiegel hin.)

Nelke:

Bleib mir mit deinem beknackten Spiegel weg.

Quirie:

(Guckt beleidigt in den beknackten Spiegel.)

Nelke! Ich sehe ein Land für uns zwei...

Nelke:

Ich will jetzt kein süßliches Blabla von dir, Quirie!

Quirie:

Da ist es warm und weich...

Nelke:

Ich weiß. Hier ist es kalt und hart, und ich will, dass du dich entscheidest!

Quirie:

Und die Sonne legt sich in die Felder wie Oma auf's Sofa...

Nelke:

Für mich, oder gegen mich. Hör mich!

Quirie:

Die Menschen da, die fressen und saufen an riesen langen Tischen...

Nelke:

Ich gehe, wenn du nicht aufhörst.

Quirie:

...dann tanzen sie, springen hinter die Büsche, auf die Wiesen -- und lieben sich ... bis auf's Blut.

Nelke:

Träume, mein Süßer. Mich streich aus deinen Träumen!

Quirie:

Und das Gras, das Gras ist orange und lila! Orange und lila, Nelke.

(Nelke ist nach der einen Seite ab.)

Quirie:

Nelke? Nelke! Ey, ist das 'n scheiß Spiel? Ernst? Du willst Ernst? Und meinst, dass ich dir nachrenne? Hör zu, ich bin kein Träumer! Süße? Nelke!

Ich fall auseinander, kannst du das begreifen? Von der Straße, wo sie uns jagen, wo wir sie jagen, Blut, dann fehlt wieder einer, weg, einfach weg, und du drehst dich um, jetzt nur nicht denken, weg. Ich verantwortlich. Einer fällt, kannst ihn nicht holen, weg. Und wir greifen an. Ich habe Angst, Nelke, Angst! Held sein, jede Minute Held, aber ich habe Angst! Scheiß Angst!

Und dann komm ich zu dir, will fallen, dass du mich hältst, weinen, aber ich lache für dich, damit du auch lachst. Rette stündlich die letzten Funken in mir, dir ein Feuer draus zu machen. Ich reiße!

Meine Wilde. Meine Würzige.

Und du gehst? Sagst, entscheide dich? Zwischen dir und den anderen? Zwischen mir und mir? Mich zerstören und das dann Liebe nennen? Ich kann auch anders, Nelke. Sehr anders kann ich auch!

(Krümel will sich besser verkrümeln, fällt aber auf.)

Krümel:

Ich.

Quirie:

Was kriecht denn da darum? Na? Nana?

Krümel:

Die Leute schließen ihre Tür,

Hunde belln, wo ich vorübergeh.

Und aus den Fenstern wird geschimpft:

"Nun seht Euch die mal an!"

Quirie:

Kommt das mal her?

Krümel:

Ich?

Quirie:

Bist du ein Mädchen?

Krümel:

Schon.

Quirie:

Ausgezeichnet. Sehr romantisch.

Hier, ich schenk dir tausend Sterne. Schön? Wir werden uns jetzt mal küssen.

Krümel:

Nein. Der Drache holt die Kinder. Die kommen in den ganz großen Bauch. Die Kinder schreien leiser, und der ganz große Bauch hat einen Hunger.

Quirie:

Wie wär's mit 'nem Stück Weg?

Krümel:

Weg?

Quirie:

Genau. Schöner Weg, ziemlich lang, ziemlich schön alles.

Krümel:

Wohin?

Quirie:

Soll ich dich erst lang und breit verliebt machen? Wie heißt du?

Krümel:

Ich?

Quirie:

Ok. Krümel. Krümel Unglück, das passt.

Krümel:

Krümel?

Quirie:

Du hast das Problem begriffen. Jetzt ab. Den Rest machen wir hinter den Kulissen. Alles klar?

Krümel:

Du bist grob.

Quirie:

Aber herzlich, kannst dich auf Nelkes Geschmack verlassen.

(brüllt)

Nicht wahr Nelke? Komm!

(Beide nach der anderen Seite ab.)

 

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