(Wieder draußen. Krümel putzt mechanisch. Nelke am vorderen Bühnenrand. Man sieht Schatten vorüberziehen.)
Nelke:
Quirie! Wo steckst du wieder? -
(zu den Vorbeigehenden)
Du! Du da, bleib! Geh nicht dahin, es ist ein großer Irrtum! Freund, hör!
(zu sich)
Die Freunde hören nicht, sie gehen in den Irrtum.
(zu den Vorbeigehenden)
He! Bleibt, ihr da, he! Wir müssen hierbleiben, hier zusammen, es ist nicht, wie ihr denkt!
(zur Seite.)
Quirie, wo steckst du nur?
Sie gehen alle, deine Freunde, und du hast sie gerufen. Ich will, dass du hier bist!
Quirie:
(auf) Ich hab nur eben einen Eimer gefunden.
Nelke:
Ach, du hast dich überhaupt nicht verändert.
Quirie:
Findest du? Du dich aber auch nicht.
Nelke:
Wirklich?
Quirie:
Wirklich nicht.
Nelke:
Hast du sie gesehen?
Quirie:
Ich habe versucht, sie aufzuhalten.
Nelke:
Sie hören uns nicht.
Quirie:
Nein.
Nelke:
Es sind die Freunde.
Quirie:
Ich habe sie gerufen.
Nelke:
Sie gehen in die Fabriken.
Quirie:
Nach all den Kämpfen - freiwillig.
Nelke:
Du hast sie gerufen.
Beide:
(zu den Vorbeigehenden)
He da, bleibt! Ihr, Freunde, es ist ein Irrtum!
Nelke:
Sie hören nicht.
Quirie:
Nein.
(Pause.)
Nelke:
Schenke ihr doch den Eimer. Die kann ihn sicher brauchen.
Quirie:
Ach, endlich wieder frische Luft. Es war da immer so kalt.
Nelke:
Mhm.
Quirie:
Heute nacht werden wir wieder die Sterne sehen.
Nelke:
Jetzt habe ich dir gar nicht meine Wohnung gezeigt. Ich habe alles orange und lila gestrichen.
Ich habe viel an dich gedacht! Sogar das Bettzeug...
Wo schlafen wir heute nacht?
Quirie:
Mal sehen. Ich werde dir im Moos ein Bett bauen.
Nelke:
Es gibt kein Moos.
Quirie:
Dafür schläfst du wieder bei mir. Und ich bei dir...
Nelke:
Ach Liebster! Du?
Quirie:
Ja, meine Wilde, meine Würzige?
Nelke:
Ach du! Küsst du mich?
Quirie:
Oh Nelke!
(Sie küssen sich ausgiebig. Krümel schrubbt.)
Nelke:
Warum sie immer noch putzt?
Quirie:
Heh, Krümelchen, jetzt ist doch alles vorbei. Du kannst aufhören, damit.
Nelke:
Jetzt ist doch alles wieder gut.
(Sie entfernt das Halsband.)
Quirie:
Krümel, für uns hat doch jetzt eine neue Zukunft begonnen!
Nelke:
Sie meint wahrscheinlich das Elexier.
Quirie:
Du hast recht! -
Krümel, wir haben damit nichts mehr zu tun, das ist jetzt alles vorbei! -
Wir sollten ihr zeigen, dass das jetzt vorbei ist.
Nelke:
Du meinst weg damit? Wenn man bedenkt...
Quirie:
Wenn man bedenkt, wieviel Energie dadrin steckt...
Nelke:
Man kann die beiden doch nicht einfach so wegschütten!
Quirie:
Büddel, Bresel. Wir sollten noch einen letzten Schluck nehmen. Ihnen zu Ehren. Das sind wir ihnen schuldig, nach alledem.
Nelke:
Ihnen zu Ehren wollen wir noch einen Schluck auf die Zukunft trinken. Schließlich war es ihr letzter Wille, die Zukunft!
Quirie:
Das ist wahr. Auf die Zukunft!
Nelke:
Auf die Zukunft!
(Sie trinken.)
Quirie:
Komm, Krümel, trink mit uns auf unsere Zukunft!
Nelke:
Wir wollen alles vergessen und ganz von vorne beginnen. Komm, Kleine, darauf stoßen wir mit dir an.
Quirie:
Heh, was ist mit dir? Willst du denn nicht mit uns anstoßen?
Nelke:
Vielleicht will sie aus dem Eimer?
Quirie:
Würd zu ihr passen. Putze!
(Beide lachen. Sie schütten Elexier in den Eimer und stoßen mit ihren Flaschen daran.)
Beide:
Auf unsere gemeinsame Zukunft!
Quirie:
Die will nicht.
Nelke:
Wie sie uns anguckt!
Quirie:
Ich finde, die guckt vorwurfsvoll.
Nelke:
Jetzt guck doch nicht so!
Quirie:
Die ist wohl nachtragend.
Nelke:
Rede wenigstens mit uns!
Quirie:
Die tut gerade so, als wären wir an allem schuld!
Nelke:
Für uns war es auch schlimm!
Quirie:
Wir wissen selber, dass vieles nicht so schön gelaufen ist.
Nelke:
Es ist eben schwer!
Quirie:
Aber das ist noch lange kein Grund, uns Vorwürfe zu machen.
Nelke:
Jetzt rede gefälligst mit uns!
Quirie:
Hör mal, Unglück, wenn du nicht bald mit deinen Vorwürfen aufhörst...
Nelke:
Es reicht nämlich allmählich!
Quirie:
Du brauchst uns nämlich hier nicht das Gewissen zu spielen!
Nelke:
Unsere Geduld ist auch mal zu Ende!
Quirie:
Trink jetzt auf die Zukunft!
Nelke:
Na los, Bescheuerte, willst du wohl auf unsere Zukunft trinken!
Quirie:
Na los, oder bist du dir zu fein dafür?
(Sie döppen Krümel, bis die nicht mehr zuckt.)
Beide:
Auf die Zukunft! Auf die Zukunft!
Quirie:
Heh, lass uns auch noch einen Schluck!
Nelke:
Komm da wieder raus!
Quirie:
Nicht so gierig!
Nelke:
Die bewegt sich nicht mehr.
Quirie:
Dass die Menschen immer so gierig sein müssen!
Nelke:
Heh, beweg dich, Putze!
Quirie:
Die kann nicht mehr.
Nelke:
Die will nicht mehr.
Quirie:
Die ist hin. Heh, das war doch nur ein Spaß!
Nelke:
Dass die aber auch immer übertreiben muss!
Quirie:
Das hätte jetzt wirklich nicht sein müssen, Krümel!
Nelke:
Die war doch schon vorher total fertig.
Quirie:
Total kaputt war die schon.
Nelke:
Die war doch überhaupt nicht lebenstüchtig.
Quirie:
Die hat sowieso nie richtig gelebt.
Nelke:
Vielleicht ist es besser so. Ich meine auch für sie selber.
Quirie:
Ja, nicht schön, aber besser.
Nelke:
Quirie, ich will weg hier.
Quirie:
Sie hat uns alles kaputt gemacht. Mit ihren Vorwürfen...
Nelke:
Und dann auch noch das!
Quirie:
Es hätte so schön sein können.
Nelke:
Komm, wir gehen.
Quirie:
Ja. Wohin möchtest du denn?
Nelke:
Dahin, wo du hin möchtest, Quirie.
Quirie:
Ich weiß nicht. Wohin können wir denn?
Nelke:
Weiß nicht. Dahin wo wir eine Zukunft haben?
Quirie:
Ja, da kann man leben.
Nelke:
Ja.
Quirie:
Lass uns gehen.
Nelke:
Ja, lass uns gehen.
Quirie:
Ja.
(Sie lassen Krümel liegen. Beide ab. Krümel steht langsam auf. Spuckt aus, tritt den Eimer weg. Zieht das Messer. Wirft es weg.)
Krümel:
Ein Wind weht seine liebsten Kinder,
Dass sie sich finden, sich verliern.
Kleine, du musst die Zähne fest zusammen beißen.
Erst tut es weh, aber dann geht auch das vorbei.
Alles geht vorbei. Kleine, und einmal wirst du groß. --
(Sie holt sich das Messer zurück.)
black.
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