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Prolog der Leiche des Polyneikes

Eteokles, Bruder, hörst du mich schrein?
Nein, du wirst gemütlich im Totenreich sein,
gewaschen, begraben, und reichlich beweint;
nur ich nicht, das Schwein, Polyneikes, der Feind!

So sagt ihr doch, und ihr fühlt euch gerecht -
nur mir wird bei solcher Gerechtigkeit schlecht!
Euch Göttern fluch ich beim Aasgeruch,
und Bruder, dir, bei meinem Verwesen:
die Krone war mir, ich war im Recht,
du - und nicht ich - bist schuldig gewesen.

Verflucht sei die Nachwelt, die mich nun verdammt,
ohne Grab zu verfaulen auf eigenem Land!
Krieg und Verderben komm über euch,
die ihr mir sogar noch das Totenreich
verweigert, nachdem ihr die Krone mir nahmt:
ich bin der Fluch, der niemals erlahmt!
Ich will euch euren Frieden verätzen,
Gewohnheit, Familie, die Liebe zersetzen.

Habt Acht, denn ich bin die Wahrheit des Krieges:
wer fraß je friedlich die Früchte des Sieges?
Begrabt mich, ich bin die Wahrheit des Kriegs:
nie fraß wer friedlich die Früchte des Siegs.

 

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Prolog der Leiche des Polyneikes von Jens Wirsching steht im Netz seit dem 23. März 2009 unter der freien Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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