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Ode an meine Generation

Du hast nie

an deine Rente geglaubt,

wie auch an nichts anderes

sonst: zurecht.

 

In deiner Kindheit gab es

den autofreien Sonntag

und den toten Mann

im Kofferraum von einem Auto

von einer Raff,

der hatte vorher ein zu großes Schild

um den Hals und war hässlich

und hieß Hans und Martin.

 

Du wuchsest heran,

da gab es Kohl,

der war hässlich,

und die rostigen Passats

und Enten und R4

und VW-Bus

mit gelbem Aufkleber:

"Atomkraft? Nein danke!"

oben rechts hinten

über dem Nummernschild.

Ihre Fahrer waren hässlich.

 

Es gab sauren Regen und Waldsterben

und den Nato-Doppelbeschluss,

und an deine Rente

hast du nie geglaubt,

wie auch an sonst nichts:

zurecht.

 

Man schenkte dir eine Neue

Deutsche Welle, ach ja:

wir waren im Westen.

Es gab auch den Kommunismus,

aber der war streng

nicht der Rede wert.

 

Die Lehrerin lehrte

sozialkritisch

eingestellt sein,

denn das hatte auch sie

gelernt.

Als du

die Oldiethek

auf Chrom-Dioxyd-

Magnetband banntest,

verhungerten Kinder,

und du wusstest es

und konntest es nicht ändern.

 

Wie nennt man die Kammer

ganz hinten im Herzen,

die unterirdisch versiegelte

Kathedrale,

darin die Erinnerung

an Tugend und Güte

und an menschliche Moral

ihre stumme Messe

gewissenhaft hält?

 

Ich weiß:

Deine Architektur

birgt sie in ihren Kellern,

und niemand fand,

ob es je Schlüssel gab.

 

Jetzt bist du

erwachsen.

Vergiss

Momos Graue Herren!

So bunt auch dein lifestyle:

Du bist an der Macht!

Was auch geschieht,

du hast es getan.

Frag deine Kinder

in zwanzig Jahren,

und sie weisen mit Fingern

auf dich!

 

Du hast dich gewöhnt

tapfer zu schweigen

im Absturz, anstatt

dich zu blamieren

mit hilflosen Gesten

auf alberner Suche

nach Einhalt:

Der Mythos vom Lemming -

du machst ihn wahr.

 

Und machst nicht Schluss

mit vorgesetzten Greisen,

die behaupten, sie können

dich zwingen, zu brechen

den Stab deinen Kindern!

 

Was der Erfolg

und was die Angst?

 

Ach, ich glaube

nicht an dich.

Du bist zurecht

so vernichtend skeptisch.

Wie mariniert den Herrschenden

die Sauce deiner Agonie

das groteske Mahl!

 

Du kannst nicht hoffen -

das ist deine Tugend.

Immer hast du schon

aufgegeben

aus gutem Grund.

 

Ich habe vergessen

zu erwähnen

deine nie

übertroffenen

Fähigkeiten:

 

Ihr alle wisst,

was wir leisten,

wenn

es darauf ankommt.

Ach käme es doch

dir darauf an!

 

 

 

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