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Ode an die Arbeitsteilung

Ich hatte immer Käse,

doch nie eine Kuh.

Ich hatte immer Brot,

doch nie einen Acker.

 

Das war die Arbeitsteilung,

dass man mir Brot buk,

dass man mir Käse käste.

 

Ich hatte immer Geld.

Der Markt hatte sich zurückgezogen

in die Hallen der Discounter.

Doch Geld vermittelte

zwischen Brot und Käse

und mancherlei

Dienstleistung

wie meinem marktgängigen

Poem.

 

Ich möchte auch

einen Acker,

eine Kuh.

Ich möchte ein Zugpferd

und einen Wald

und einen See

und alles so klein,

dass ich's bestellen kann

mit meinen Händen

für meine Lieben,

und ich kann sagen,

von diesem Acker kommt mein Brot;

aus diesem Teich kommt mein Fisch:

an diesem Himmelreich

habe ich meinen Teil.

 

Ich möchte ein Reich,

meinen Söhnen zu überlassen,

das ihre Hände regt

und ihre Kinder nährt

an dem Tag,

an dem die Glastür

zur letzten Niederlassung

einer einst mächtigen Supermarktkette

aufgebrochen wird,

doch die Regale

sind lange leer,

letzte Maßnahme der Angestellten,

die zu lange

gewartet hatten
auf den letzten Lohn.

 

 

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Ode an die Arbeitsteilung von Jens Wirsching steht im Netz seit dem 16. Oktober 2008 unter der freien Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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