Wenn dich der Atem dieser Welt
zu grauem Eis gefrieren lässt,
und wenn der Krebs der Zeit sich kalt
in deine weichen Seiten frisst...
Wenn der Mond, die bleiche Sichel,
den Alp in deine Träume ritzt,
und wenn in deinem Hinterstübchen
du dein eignes Blut verspritzt...
Wenn Schweineköpfe gierig lecken
am Saft, der deine Wunden nässt,
und wenn nach deinem letzten Mut
dich auch noch deine Wut verlässt...
Wenn du am Ast sägst, drauf du sitzt,
und, Menschenskind, zu guterletzt
dir in den eignen Daumen ritzt,
Dann wird, vom Tränensalz noch krustig,
das nimmermüde Kind, das Du,
das Ich, das Kleine trotzig lustig -
Und du lutschst am Daumen dir,
und grinst gefährlich aus der Wäsche:
"Ich bin ja noch immer hier!
Wird Zeit, dass ich mal wieder was
abscheulich süßliches vernasche!"
Heh, wer grinst denn da so aus der Asche?
Melancholia von Jens Wirsching steht im Netz seit dem 23. März 2009 unter der freien Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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