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7. Das Weltenhuhn und die Erde


(Ayesha beginnt ihre Lunamerographen aufzubauen und einzurichten. Sie studiert die Benutzerhandbücher, sie reinigt, sucht, macht und tut. Ludovico kocht Bohnensuppe. Dabei erzählen sie die Geschichte vom Weltenhuhn und der Erde.)

Ludovico:

Brumm-mms.

Wie ein platzender Böller zerschmettert das Weltenhuhn sein Ei.

Das Ei platzt auseinander.

Die Schale fliegt auseinander.

Ayesha:

Das Weltenhuhn wächst und wächst.

Wo vorher Nichts war, ist nun Weltenhuhn.

Ludovico:

Die Eierschale zerfällt zu kosmischem Staub.

Wo immer ein Eierschalen-Brösel auf die Grauen Wasser niedergeht, dort entsteht ein Stern.

Ayesha:

Das Weltenhuhn flattert ungeschickt zwischen all den Herrlichen Sternen hin und her.

Ludovico:

Es verbrennt sich die Flügel, wo immer es einen Stern berührt.

Ayesha:

Es ist zu groß.

Ludovico:

Und wächst.

Ayesha:

Die Flügel schmerzen es.

Ludovico:

Die Herrlichen Sterne schmerzen es.

Ayesha:

„Ihr tut mir weh!“, ruft das Weltenhuhn.

Ludovico:

„Finde einen Ort für dich!“, rufen die Herrlichen Sterne.

Ayesha:

Da suchte sich das Weltenhuhn den herrlichsten der Sterne und ließ sich erschöpft darauf nieder.

Ludovico:

Kaum aber hatte es sich auf dem Stern niedergelassen, da erlosch sein Leuchten.

Ayesha:

„Wo ist dein Leuchten?“, rief das Huhn.

Ludovico:

„Geh fort, verschwinde!“, rief der Stern, „du raubst mir mein Leuchten!“

Ayesha:

Da raffte sich das gebeutelte Huhn auf und flog zum zweitherrlichsten der Sterne.

Ludovico:

Doch auch der wollte kein Weltenhuhn auf sich, das ihm das Leuchten nahm, und so ging es in einem fort.

Ayesha:

Schließlich gelangte es an den erbärmlichsten der Sterne.

Ludovico:

Der konnte nicht leuchten.

Ayesha:

Nicht einmal flackern oder schimmern konnte der.

Ludovico:

Gar nichts konnte der. Total-Versager.

Ayesha:

Schöpfungsfehler.

Ludovico:

Gammelstern.

Ayesha:

Aschenbrödel.

Ludovico:

Fliegenschiss.

Ayesha:

Dreckhäufchen.

„Was ist das denn?“, rief das arme Weltenhuhn erschrocken.

Ludovico:

„Ich bin nur ein Planet ohne Zentrum“, antwortete der kleine Stern beschämt.

„Ich habe niemanden, um den ich mich drehen kann. Freunde nennen mich Die Erde.“

Ayesha:

Das Weltenhuhn lachte den kleinen Planeten aus: „Du willst Freunde haben? Wer will einen wie dich zum Freund?“

Ludovico:

Da nahm der Dreckhaufen all seinen Mut zusammen und rief:

„Und wer bist du?“

Ayesha:

„Pah!“, rief das Weltenhuhn empört.

Es wollte fortfliegen.

Doch schmerzten seine Flügel gar zu sehr.

Ludovico:

„Was ist mit dir?“, rief der kleine Planet.

Ayesha:

„Ich bin das Weltenhuhn!“, rief das Weltenhuhn.

„Die Herrlichen Sterne leuchten, aber sie danken es mir nicht. Ich finde keinen Ort, mich niederzulegen.“

Ludovico:

Rasch schüttelte die kleine Erde den Staub von ihrer Kruste:

„Möchtest du dich bei mir niederlegen?“

Ayesha:

Und so legte sich das erschöpfte Weltenhuhn auf dem Planeten nieder, um zu sterben.

„Wenn du mein Gesetz aufbewahrst“, sprach das Huhn zur Erde, „so darfst du dir von mir etwas wünschen.“

Ludovico:

„Was ist dein Gesetz?“, rief die Erde. „Ich will es bewahren.“

Ayesha:

„Die stolzen Sterne glauben, sie seien ewig und unwandelbar“, begann also das Weltenhuhn.

„Aber die Sterne wandeln sich: Sterne verlöschen und Sterne werden geboren. Nichts ist unwandelbar, nicht du, nicht ich, und auch nicht die Herrlichen Sterne. Das ist das Gesetz der Welt, und es hat tausend Gesichter.“

Ludovico:

„Und jetzt darf ich mir etwas wünschen!“, rief die kleine Erde.

Ayesha:

„Ja“, antwortete das Weltenhuhn mit brechender Stimme, denn es war bereits im Begriffe zu sterben.

Ludovico:

„Ich will nicht alleine sein“, rief die kleine Erde. „Schaff mir einen Begleiter. Und leuchten will ich. Wenigstens ein bisschen.“

Ayesha:

Das waren zwei Wünsche. Doch war das alte Weltenhuhn bereits zu schwach, um noch mit der kleinen Erde zu hadern.

Ludovico:

Es riss seine Augen heraus, und schenkte sie der Erde.

Ayesha:

Das eine Auge aber ist die strahlende Sonne.

Ludovico:

Das andere Auge ist der blasse Mond.

Beide steckte die Erde unter ihre Kruste, dass sie nicht verloren gingen.

Ayesha:

Als dies geschehen war, da gluckste das Weltenhuhn einen letzten Gluckser und starb.

Ludovico:

Aus seinen Knochen wurden die Berge, Felsen und Steine.

Ayesha:

Aus seinem Fleische wurde fruchtbarer Boden.

Ludovico:

Aus seinem Blut wurden die Flüsse und Meere.

Beide:

Aus seinen Federn aber wurden die Bäume und Kräuter, die Land und Berge bedecken.

 

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