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2. das date

(Werkstatt: Peter fräst eine Dichtungs-Nut in den Getriebe-Flansch.
Parallel Bushaltestelle: Daisy sitzt am Vorderen Bühnenrand und lässt die Beine ins Proszenium baumeln.)

Peter:

Ich bin Peter. Bin 16. Das hier ist meine Werkstatt.  Eigentlich gehört sie Wolf.

Wolf ist ein richtig cooler Typ. Der hat's drauf. Was der anpackt, das funktioniert. Der weiß immer genau, was er macht. Und ich mach mit.

Nachher, da kommt Daisy. Hat sie jedenfalls gesagt. Ist zwar ein Mädchen. Aber die ist echt nicht so wie die anderen. Nicht so eine Zicke. Für ein Mädchen ist die schwer in Ordnung.

Daisy:

Ich bin Daisy. Bin 16. 16 einhalb. Ich bin auf dem Weg zu Peter. Der hat mir hier den Weg auf so'n Zettel gemalt. Zu dieser Werkstatt, wo er immer steckt.

Der Peter, der ist irgendwie, naja, schon ein bisschen geheimnisvoll. Der ist immer wie in einer anderen Welt. Sagt ja nicht viel, aber wenn er dann mal was sagt, dann staunst du nur Bauklötze.

Meist fällt dann sogar den Lehrern nichts mehr ein. Ich glaube, die haben schon immer Angst, dass er wieder was sagt, wo sie so blöd dastehen.

Hab nur Jenny gesagt, dass ich hingeh. Brauchen sich ja nicht gleich alle das Maul drüber zerreißen.

Weiß nicht, was passiert. Ich geh einfach mal hin. Bisschen kribbeln tut's schon. Bisschen sehr.

Er hat den Strahlenkranz fertig. Hat er von sich aus angeboten.

Hoffentlich erklärt er mir nicht die ganze Zeit Sachen mit dem Moped.

Mixery. Hab ich eben noch im Spätshop geholt.

(Daisy steht auf. Peter fräst an seinem Werkstück herum, kontrolliert die Nut, entgratet die Ränder, kontrolliert... Daisy findet den Eingang zur Werkstatt.)

 

Daisy:

Hey!

Peter:

Hey!

(Kontrolliert und entgratet im Folgenden weiter, muss eigentlich jeden Augenblick fertig sein, die Nut. Dann kann er morgen mit Wolf alles zusamenschrauben.)

Daisy:

(Lacht.)

Stimmt ja nicht so ganz, wie du das aufgemalt hast!

Peter:

Hast's ja gefunden.

Daisy:

(Schaut sich um.)

Ganz schön rumpelig hier.

Peter:

Bin sofort fertig.

Daisy:

Gehört das alles dir?

Peter:

Nee.

Daisy:

Boah. Massig, was? Was ist das alles für Zeugs?

Peter:

--

Daisy:

Ich hab Mixery mitgebracht.

(Hält die Flasche hin.)

Peter:

--

(Freeze)

Daisy:

Ich hab gedacht, er freut sich, wenn ich komme. Ich dachte er würde mir entgegen kommen, mich irgendwie nett begrüßen.

Peter:

(Hat eine Kerbe in den Rand der Nut gefeilt.)

Scheiße! Diese scheiß Feile!

Alles umsonst ey, das kann doch nicht wahr sein!

(Sieht die Flasche.)

Daisy:

Aus dem Spätshop.

Peter:

Sorry. Hab den ganzen Nachmittag an dem Mistding gesessen.

(Legt Feile und Werkstück zur Seite.)

Mach ich morgen.

Daisy:

Wegen mir?

Peter:

Ach wo.

(Nimmt die Flasche an. Verlegene Pause.)

Daisy:

Was machst du da eigentlich?

Peter:

Ich will ein 5-Gang Getriebe einbauen. Das geht viel besser ab beim Anfahren.

Daisy:

5 Gänge!

Peter:

Der Flansch passt natürlich nicht, deswegen mach ich hier eine Dichtungs-Nut rein.

Wir pfuschen hier nicht rum, mit Dichtungsmasse oder so'n Scheiß... So eine Art Ehrensache. Was wir hier machen, das hält Jahrzehnte.

Daisy:

Cool. Zeig mal.

Peter:

Versaut. Hier.

Daisy:

Sieht man doch fast gar nichts.

Wem gehört das denn alles hier?

Peter:

Mir - und Wolf. Eigentlich Wolf, aber ich kann hier immer rein, alles machen, was ich will.

Daisy:

Stark.

Kann man sich hier hinsetzen, oder musst du hier auch noch flanschen?

Peter:

Klar kannste dich setzen. „Wenn du durch diese Türe kommst, dann betrittst du das Reich der Freiheit.“

(Setzen sich auf die Bank. Pause.)

Daisy:

Hast du schon Mathe gemacht?

Peter:

Nö. Du?

Daisy:

Nö.

(Pause.)

Daisy:

Weißt du, was die Jenny erzählt hat?

Peter:

Jenny?

Daisy:

Na, den Tom haben sie mit dem frisierten Moped erwischt. Hat Jenny erzählt.

Peter:

Darfste dich eben nicht erwischen lassen.

Daisy:

Haben sie dich noch nie erwischt?

Peter:

Bin ich blöd?

Daisy:

Wolln wir mal ne Runde fahren?

Peter:

Ey, das Moped ist zerlegt.

Daisy:

Das ganze Moped?

Peter:

Ja, was denn sonst?

Daisy:

Kriegste das denn alles wieder zusammen?

Peter:

Logisch.

Daisy:

Boah. Bin schon mal auf einer Schwalbe gefahren.

Peter:

Respekt.

Daisy:

(Fährt Luft-Motorrad.)

Komm, steig hinten auf!

Peter:

Ist doch blöd.

Daisy:

Na los, stell dich nicht so an. Oder traust du dich nicht?

(Peter steigt widerwillig in das Spiel ein. Daisy legt seinen Arm um ihre Taille.)

Peter:

Ey nicht so schnell, da vorne ist 'ne Kurve!

Daisy:

Wo war nochmal die Bremse?

Peter:

Rechts, Mann, der rechte Hebel!

BEIDE :

Krawumms!

(Unfall, beide purzeln übernander auf den Boden. Bleiben ein ganz klein wenig länger so liegen, als sie selber erwartet hätten.)

Peter:

(verlegen)

Ich wollte dir doch noch den Strahlenkranz geben.

Daisy:

Haste echt hinbekommen?

Peter:

Logisch. Sieht cool aus. Hab Dioden aus einer alten CB-Funke rausgeschraubt. Ist halt blöderweise alles auf 12 Volt.

(Holt einen ziemlich monströsen Stahlreif, wo irgendwo an krassen Drähten irgendwelche funzeligen Dioden abstehen. Sieht total Scheiße aus. Doof ist, dass man immer eine Autobatterie mit sich rumschleppen muss, damit die Dioden funzeln. Irgendwo ist ein riesen Schalter, zwischen Stirn und rechtem Ohr, sieht aus wie ein Hörnchen. Wenn man den mit ausreichend Kraft bedient, sodass der Reif halb über die Augen rutscht, dann beginnen die Dioden zu blinken. Daisy lässt das Werkstück über sich ergehen und versucht es einzuschalten.)

Daisy:

Habt ihr irgendwo einen Spiegel?

Peter:

Der Spiegel? Nee. Spiegel haben wir hier nicht. Ist ja kein Frisiersalon. Steht dir ganz gut.

Daisy:

Aha. Naja. Schön geworden.

(Legt das Monster mit übertriebener Sorgfalt auf Seite.)

Die Aufführung ist in zwei Wochen! Ey, da ist noch so viel zu tun. Hab jetzt schon Lampenfieber.

Hast du Lust, mit mir den Text durchzugehen?

Peter:

Ich?

Daisy:

Hab das Textbuch bei.

Peter:

Hm.

Daisy:

Du bist die Dingsbums da.

Peter:

Ne Frau?!

Daisy:

Ist doch egal.

Peter:

Aber nur lesen! Ohne Betonung.

Daisy:

(Nimmt ein herumliegendes Teleskop-Stück, eine Antenne oder so, als Degen.)

Ich nehm mir das mal, ja?

Peter:

Klar, kannste nehmen.

Daisy:

Hier: ab Seite 88. Da unten:

„Es war, als würde er unaufhörlich ihren Händen entgleiten. Sie wußte, noch war nichts verloren und sie war zu allem bereit. Doch er war es, der den nächsten Schritt gehen mußte, auch das wußte sie. Sie zitterte leicht, als sie ihn zum letzten Mal fragte:“

Peter:

Und du spielst den Typen?

Daisy:

Ist doch jetzt egal. Ist Theater.

Peter:

Können wir das nicht anders rum machen?

Daisy:

Quatsch. Jetzt mach!

Also: „Sie zitterte leicht, als sie ihn zum letzten Mal fragte:“

Peter:

Jetzt?

Daisy:

Jaah.

Peter:

„Soll ich das Selbstmordmädchen kommen lassen?“

Daisy:

Nee. Bisschen Betonung musst du schon machen. Ich komm sonst nicht rein.

Peter:

(Liest wiederum ohne Betonung, aber dafür mit mehr Anstrengung auf „lassen“.)

„Soll ich das Selbstmordmädchen kommen lassen?“

Daisy:

(Mit großer Geste, Degen-Gefuchtel.)

„Ich will sie nicht sehen. Ich habe die Verbindung zur Welt schon lange gekappt.“

... Und, wie war ich?

Peter:

Naja ...

Daisy:

Hat man diese ganze „Entschlossenheit zum Untergang“ gesehen?

Peter:

Hab nicht so hingeguckt. Musste ja lesen.

Daisy:

Ich war voll in diesem Gefühl drin.

Peter:

Können's ja noch mal machen, dann guck ich hin.

Daisy:

Ok.

(Geht in dramatische Pose.)

Peter:

Worum geht's da eigentlich?

Daisy:

(Seufzt.)

Also.

Er ist irgendwie gefangen. In sich selber, verstehst du?

Peter:

Häh?

Daisy:

Und sie will ihm helfen. Sie kann das eben nicht verstehen, dass er sich einfach so aufgibt.

Ist auch ein bisschen verknallt in den.

Peter:

Aha. Und was ist das für ein „Selbstmordmädchen“?

Daisy:

Das gibt's gar nicht. Das hatten die beiden sich mal so ausgedacht, als noch alles ok. war.

So eine Mischung aus Zauberfee und Selbstmord-Terrorist. Kann alle Probleme auf der Welt lösen. Wie so eine gigantische Bombe. Kommt vorbei, und dann sind alle Probleme weg.

Peter:

Krass.

Daisy:

Wenn sie sagt: „Soll ich das Selbstmordmädchen kommen lassen?“, dann heißt das soviel wie: Komm, wir bleiben zusammen!

Sie will eben nur, dass er sich an die gemeinsamen Träume erinnert.

Peter:

Aha. - Tut er aber nicht.

Daisy:

Genau.

Los jetzt: Nochmal!

Peter:

„Soll ich das Selbstmordmädchen kommen lassen?“

Daisy:

(wieder mit großer Geste, Degen-Gefuchtel)

„Ich will sie nicht sehen. Ich habe die Verbindung zur Welt schon lange gekappt.“

Und? War das jetzt gut.

Peter:

Schon. Sah ganz gut aus. Bisschen komisch.

Daisy:

(für sich)  

„ ... die Verbindung zur Welt schon lange gekappt...“

Später mache ich Theater. Oder ich gehe zum Film.

Du könntest bestimmt auch gut Schauspieler werden.

Peter:

Nicht so mein Ding. Ich schraub ganz gern rum und so.

Daisy:

Du könntest bestimmt gut Bühnenbilder bauen... Oder Technik.

Peter:

Klar.

Daisy:

Beim Film, die ganzen Effekte und dann noch die Spezialeffekte und so, da brauchen sie Leute wie dich, die technisch was drauf haben.

Peter:

Klar.

(Horcht auf)

Verdammt!

Daisy:

Was ist denn los?

Peter:

Nichts.

(Steckt von innen den Werkstattschlüssel in die Tür. Ein Wagen hält auf dem Hof, eine Autotür wird zugeschlagen.)

Wolf:

(Von draußen)

Peter?

Peter:

Psst!

Daisy:

(flüstert)

Was ist denn los?

Peter:

Nichts.

Muss doch nicht gleich jeder wissen, dass du hier bist.

(Es rumpelt am Türgriff, vergebliches Geruckel am Türschloss.)

Wolf:

Was ist denn das für'n Scheiß hier?

Peter? Bist du da?

Mach mal die Stöpsel aus den Ohren!

Peter?

Stimmt doch was nicht!

(Sich entfernende Schritte.)

Daisy:

Der Wolf?

Peter:

Mhm.

Daisy:

Darf hier außer dir niemand rein?

Peter:

Die Werkstatt ist wie ein Tempel. Haben nur Eingeweihte Zutritt.

Daisy:

Gibt's jetzt Ärger?

Peter:

Ach wo. Ich sag doch, Wolf ist voll in Ordnung.

 

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